Die Discourse der Mahlern. (Hrsg. von J. J. Bodmer und J. J. Breitinger). 4 Teile (alles) in 2 Bänden. Teil 4 mit dem Titel: Die Mahler. Oder: Discourse Von den Sitten Der Menschen. 104 Bl.; 2 Bl., 206 S.; 2 Bl., 204 S.; 2 Bl., 131 S. Mit gestoch. Titelvignette. Schöne Halblederbde auf 5 Bünden im Stil d. Z. mit 3 farb. Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung. Zürich, Joseph Lindinner, 1721-1723.
Erste Ausgabe eines der epochemachenden Bücher der deutschen Literatur, Bodmers erste Veröffentlichung. Die berühmte Zeitschrift gilt als die erste deutschsprachige Moralische Wochenschrift und wird oft als der eigentliche Beginn der neueren deutschen Literatur bezeichnet. Sie erhielt ihren Titel dadurch, dass ihre Mitarbeiter – mit wenigen Ausnahmen sind die Beiträge überwiegend von Bodmer und Breitinger – ihre Beiträge mit den Namen berühmter Maler unterzeichneten. Weiter beteiligt waren Laurenz Zellweger, Johann Jakob Lauffer, Daniel Cornelius Zollikofer, Johann Heinrich Meister und Johann Georg Altmann. Die kunst- und literaturtheoretischen Diskurse der seltenen Zeitschrift legen bereits den Grund zur zukünftigen Poetik der Schweizer, die später zu der grundsätzlichen, höchst bedeutsamen Auseinandersetzung mit Gottsched führte. „Bereits war hier vom gegenseitigen Verhältnis der Künste die Rede, die durch ... die Nachahmung der Natur verwandt, aber hinsichtlich der Ungleichheit ihrer Ausführung voneinander verschieden sind. Bereits hier wurden der Phantasie und der Inspiration, der Tiefe und Gewalt der Empfindung, die ihnen eigentümliche Stellung angewiesen“ (Bodmer-Denkschrift S. 9). Die Herausgeber hatten einige Zeit mit „verzopften Zürcher Zensoren“ (Leemann-van Elck) zu kämpfen, denen die Zeitschrift nicht erbaulich genug erschien. Weiter hatte man mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen. Von den 400 gedruckten Exemplaren ging die Hälfte nach Deutschland und noch 1729 hatte der Züricher Buchhändler Andrae einen Packen der ‚Discourse‘ liegen. Da hatten die folgenden Zeitschriften ganz andere Auflagen: Der ‚Patriot‘ (1724-26) erreichte eine Auflage von 5000, Gottscheds Wochenschrift ‚Die vernünftigen Tadlerinnen‘ (1725-26) eine von 2000 Exemplaren. – Titel von Teil 1 alt aufgezogen. Unterschiedlich stockfleckig oder gebräunt, wie meist. Insgesamt gutes Exemplar. – VD18 90294645; Goed. IV/1, 19, 1; Kirchner 4832; Diesch 503; Martens, Die Botschaft der Tugend, S. 544.
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Sachgebiete: Germanistik, Literatur bis ca. 1900, Zeitschriften/Zeitungen
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