Reichsabschiede – Neue und vollständigere Sammlung der Reichs-Abschiede, welche von den Zeiten Kayser Conrads des II. bis jetzo auf den Teutschen Reichs-Tagen abgefasset worden. 4 Teile nebst einer Einleitung, Zugabe, und vollständigen Registern in 2 Bänden. 9 Bl., 60 S., 6 Bl., 296; 643 S.; 692; 424, 116, 16 S., 48 Bl. Mit gestoch. Titelvignette und 2 großen, montierten gestoch. Porträt-Widmungsvignetten mit reicher figürlicher und ornamentaler Staffage. Folio. Pergamentbde d. Z. (berieben, Kan-ten beschabt, vordere Einbandecke von Band 1 oben ohne Pergamentecke) mit vergold. Rückentitel auf farbigem Grund. Frankfurt am Main, Ernst August Koch, 1747.
Die berühmte letzte und abschließende Ausgabe, die bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches zur „maßgeblichen Quelle für alle Reichstagsbeschlüsse und ... alle Reichsgesetze schlechthin“ (Schubert 136) wurde. Die gedruckten Sammlungen der Beschlüsse und Verordnungen der Reichstage sind über den langen Zeitraum von 1501 bis 1747 in 39 verschiedenen Ausgaben erschienen. Jede neue Ausgabe baut auf der vorhergehenden auf, übernimmt die alten Texte und ergänzt sie durch die neu hinzugekommenen Reichsabschiede, so dass eine lückenlose und chronologische Folge entsteht. Ausführliche Register erschließen die Sammlung. Die Sammlung beginnt mit einer Verordnung „Carls des Dicken, oder vielmehr eines ungewissen Kaysers, (welches Conrad der II. seyn soll)“ aus dem Jahr 990 und sie ist eine noch immer nicht voll ausgeschöpfte rechts- wie kulturhistorische Quelle ersten Ranges. Ob es nun um Apotheker oder Buchdrucker, Friedensbrecher oder Landsknechtsordnungen, Bettler, Zigeuner, überflüssige Kleider oder Zutrinken, Wasser oder Wein, Ehesachen oder „unordentlichen Beyschlaff“, Sturmglocken oder Kanzleiordnungen, Aufruhr, Scheibeneinschmeißen oder Wiedertäufer geht – die ‚Ordnungen‘ sind ein Spiegel des lebendigen Lebens der Zeit und ein Überblick über die Grundgesetze des Reiches. H. Chr. Senckenberg (1704-1768) war der älteste der drei berühmten Söhne des Frankfurter „ersten Physicus“ Johann Hartmann Senckenberg – alle eine Zierde der Stadt. – Exlibris „Biblioth. Colleg. Sac. Sec. B. V. M. in Vet. Oetting“ d. i. Bibliothek des Kollegiatstifts der Heiligen Jungfrau Maria in Altötting, die 1803 säkularisiert wurde. – Einbanddecken oben und an den Rändern mit Feuchtigkeitsspuren, nur gelegentlich auf den Schnitt übergreifend. Deckelbezüge an den Außenkanten teils abgeschabt. Anfangs im Innendeckel und Vorsatzblatt kleiner Braunfleck, der jedoch schon beim Titel kaum noch sichtbar ist. Trotzdem ein gutes, fast fleckenfreies Exemplar und vor allem innen weitgehend sehr sauber und fest in der Bindung. – Habent sua fata libelli. – Pütter II 440. Stintzing-L. III/1, 165. Dahlmann/Waitz 1926.
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Sachgebiete: Geschichte, Jura
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