Moralia Horatiana: Das ist Die Horatzische Sitten-Lehre, Aus der Ernst-sittigen Gesellschaft der alten Weise-meister gezogen ... Itzund aber mit neuen reim-bändern gezieret, und in reiner Hochdeutschen sprache zu lichte gebracht. 2 Teile in 1 Band. 5 Bl., 119 S., 3 Bl., 85 S. Mit gestoch. Frontisp., 2 wiederh. Titelvignetten und 103 großen Textkupfern nach Otto van Veen (Vaenius). 4°. Blindgeprägter Schweinslederbd d. Z. mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln (Vergoldung oxydiert, ohne die Schließenbänder, Deckel leicht aufgebogen). Amsterdam, Kornelis de Bruyn für Kornelis Danckerts, 1656.
Erste deutsche Ausgabe von Zesens Bearbeitung des berühmten und weit verbreiteten Emblembuchs mit den Kupfern zu Horaz’ Werken. Jedes der schönen Emblemkupfer ist mit einem gestoch. lat. Sinnspruch versehen und mit deutschen Vierzeilern begleitet; letztere sind Zesens eigenes Werk, wie Faber du Faur ausdrücklich hervorhebt. Der große Sprachschöpfer Zesen, dem die deutsche Sprache viele noch heute gebräuchliche Wortschöpfungen verdankt, bearbeitete die französische Vorlage auf seine typische Weise. So wird z. B. aus „Tout se pert avec le temps“ des Originals bei Zesen „Alles unter der Sonnen vergehet mit der zeit“. Manche dieser Motti sind in der Fassung Zesens sprichwörtlich geworden, wie z. B. das zu Emblem 6 im 2. Teil: „Müßig-gang ist aller laster anfang“. Auf der den Kupfern gegenüberliegenden Seite werden die „Bild- und Lehr-Tafeln“ auf Deutsch erläutert. Das Emblemwerk des Vaenius war erstmals 1607 in Antwerpen erschienen und erlebte mehrere Ausgaben, Übersetzungen und Bearbeitungen, u. a. von M. Le Roy de Bomberville (1646), nach dem die Horaz-Zitate übernommen und die Tafelerklärungen ins Deutsche übersetzt wurden. Die motivgeschichtlich einflussreichen ‚Moralia Horatiana‘ nehmen unter den Emblembüchern Veens eine Sonderstellung ein: „Ein leichter, scherzhafter Unterton klingt in dem Buche auf, in dem die Emblematik sich selber zu parodieren scheint“ (Monroy S. 54). „Otto van Veen was one of the foremost printers und best engravers of his time, Rubens having been his pupil. In the field of book illustrations he became famous as the creator of the very important and widely imitated book of emblems ...“ (Faber du Faur zu dieser Zesen-Ausgabe). Die reizvollen und lebensnahen Darstellungen der Sinnbilder zeigen auch mehrere Berufsdarstellungen, darunter Arzt, Augenarzt, Bauhandwerker, Landwirt, Maler, Winzer u. a. Die Kupfer von Boël, Galle und Jode gestochen. – Der Kupfertitel ist hier hinter den Drucktitel gebunden. Gelegentlich leicht fleckig. Vorsätze und Titel mit leichter Randläsur, letzte Blatt mit leichtem Wurmstich im Rand. Titel mit gelöschtem klösterlichem Besitzvermerk von 1670 und altem, blassem Stempel. Gutes, breitrandiges Exemplar in einem schönen zeitgenössischen Einband. – VD17 3:004315L; Dünnhaupt 44.1; Goed. III 100, 33; Praz 524 Anm.; Landwehr 605; Otto 65; Manheimer 456 („wundervolle Kupfer“); Faber du Faur 817; Jantz 2795.
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