Rare Books Berlin - Internationale Messe für Bücher und Graphik

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NIETZSCHE, Friedrich, Philosoph, 1844-1900.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Dein FN." Ohne Ort und Datum (Pforta 24.IX.1859). 2 Seiten 12° (Doppelblatt, 12,3 x 10,5 cm). Mit Siegelrest und Adresse. Faltspuren, leicht angestaubt. Bugfalte weitgehend getrennt. Kleiner Ausriss durch Öffnen des Siegels. Als vierzehnjähriger Gymnasiast an seinen Jugendfreund Wilhelm Pinder in Naumburg, dem er von seiner Versetzung in die Obertertia berichtet; ferner wegen einer gemeinsamen Wanderung in die nähere Umgebung Pfortas. "Ich konnte dir in dieser Examenzeit gar nicht schreiben, aber dir nun jetzt von allen Nachricht geben. Unsre schriftlichen Arbeiten waren leicht; ich habe im lateinischen Docimasticon I in den lat. Versen Ib, in der deutschen Arbeit (Ino und Athamas) Ib und im griech. Doc. IIa-b, in mathem. Doc. IIb. Ich bin mit nach Obertertia gekommen mit folgender Censur: Lat. IIa Griech. IIa Mathem. IIa Deutsch. IIa Wenn du mich in Pforta aufsuchen willst, so wirst du mich in der achten Stube finden: ich bin Unterer von Braune I. Wie steht es übrigens mit unserer Parthie. Du machst sie doch ja mit? Ich erwarte dich also Freitag früh um 7 oder 8 Uhr im Schulgarten; denn da wirst du mich doch finden. Wir wollen uns dann einen ganz gemüthlichen Tag machen: Wir gehen über die Rudelsburg und dann links hin immer ins Land hinein, wo wir noch niemals gewesen sind, nimm doch zur Vorsorge deine Botanisirtrommel mit. Ich freue mich recht sehr darauf. - - Da schreibt mir die Mamma, daß du von einem recht schmerzlichen Verlust heimgesucht bist. Es hat mich sehr betrübt und du wirst wohl jetzt recht traurig sein. Ich weiß deßhalb nicht, ob dir unsre Parthie noch lieb sein wird; bitte schreib mir vor Freitag noch darüber ... Semper Nostra Manet Amicitia!!" Nietzsche war im Vorjahr als Stipendiat in die Landesschule Pforta aufgenommen worden, 1864 legte er hier die Reifeprüfung ab.


29.07.2026 - 14:42

16000,- EUR

J.A. Stargardt

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MENDELSSOHN BARTHOLDY, Felix, 1809-1847.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. "Felix MB". Frankfurt a.M. 20./21.VII.1836. 3 1/2 Seiten gr.-8°. Mit Siegel und Adresse (kleines Loch an der Sigelstelle). Schwach gebräunt. Faltenriss. An Karl Klingemann in London, seinen besten Freund, dessen Lieder er vertonte. Der Brief stammt aus dem glücklichen schaffensreichen Sommer des Jahres 1836 in Frankfurt a.M., wo er vertretungsweise den Cäcilienverein leitete. Zunächst über sein "Paulus" Oratorium, dessen Uraufführung am 22. d.J. in Düsseldorf stattgefunden hatte. "... Dank Dir, daß Du gute Worte über mein Oratorium gesagt hast; in der letzten Arbeit die ich jetzt damit vorgenommen habe, hat es glaube ich bedeutend gewonnen, namnetlich der Anfang des ersten u. das Ende des zweiten Theiles ... Noch ehe ich Deinen Brief mit dem Rath das Orat. auch in England erscheinen zu lassen erhielt, hatte mir Novello" (der Verleger Vincent N.) "deshalb geschrieben ... und gestern habe ich seinen zweiten Brief bekommen, worin er meine Forderung bewilligt, und ganz geschwind die Partitur haben will, um in einem großen Musikfeste wenigstens etwas daraus zu geben, da es zum Ganzen zu spät sei ... Gott gebe, daß sie es gnädig behandeln ... O bitte, wenn Du kannst, so schmiege Dich an Sir George" (der Dirigent und Komponist Sir G. Smart, der mit dem Verleger zusammenarbeitete) "und inspirire ihn, als sein und mein guter Engel. Denn Du weißt, wie es klingt, was sich allein ausnehmen wird, u. kannst am besten entscheiden ..." Jetzt ist schon wieder der 21ste ... und der Brief ist so ledern wie ein Feuereimer, oder als wäre ich ein angehender Comtoirist ... / In welchem trouble ich hier die vorigen Wochen zubrachte ist kaum säglich; unter andern kam eines Abends plötzlich Lindblad" (der schwedische Komponist Adolf Fredrik L.) "... ins Zimmer; blühend, munter aussehend, viel harmonischer u. behaglicher als sonst, mit dem wurden 4 vergnügte Tage verlebt, aber es brachte mich herunter so den ganzen Tag in Gesellschaft ... Hierauf kam Alexander Mendelssohn" (sein Cousin) "mit seiner ganzen Familie u. seinen zwei nun auch erwachsenen Töchtern durch; dabei gehn die Frankfurter Musikgesellschaften ihren Gang fort, ich habe aber ihrer, und aller andern in der Welt übergenug und bin sie satt; nur wenn ich Abends bei Hiller bin und mit ihm plaudere, oder bei den schönen Nichten, da wird es mir wohl, und ich habe wieder einige frohe Stunden ..." Mit den "schönen Nichten" sind die Schwestern Cécile und Julie Sophie Jeanrenaud gemeint, bei deren Mutter Mendelssohn wohnte, wobei es wohl Cécile war, die seine Stimmung beflügelte; "er sei so entsetzlich verliebt", schrieb er vier Tage nach diesem Brief an seine Schwester Rebecka. Erwähnt den Maler Friedrich Wilhelm Schadow.


29.07.2026 - 14:40

4000,- EUR

J.A. Stargardt